Der Hospizgedanke
Die Wurzeln der modernen Hospizbewegung
Die geschichtlichen Wurzeln der modernen Hospizbewegung liegen im Mittelalter. Ein Hospital oder ein Hospitium war eine Herberge für Pilger, Fremde, Kranke und Bedürftige, meist in kirchlicher oder klösterlichen Leitung.
Erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand durch das charismatische Engagement der Britin Cicely Saunders (1918-2005) die moderne Hospizbewegung. Sie gilt als Begründerin der modernen Hospizbewegung.
Konfrontiert mit dem Sterben von Soldaten begann Cicely Saunders 1944 eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete danach als Sozialarbeiterin in Oxford. Dort lernte sie David Tasma kennen. Gemeinsam träumten sie von einer Umgebung, in der David Linderung seiner Schmerzen finden könnte, aber auch von genügend Zeit, ins Reine zu kommen in einem offenbar unerfüllten und sinnleeren Leben. Die Idee nahm Gestalt an und David vererbte Ihr zur Verwirklichung dieser Idee sein Vermögen. Er hatte einmal zu ihr gesagt „Ich werde ein Fenster in deinem Haus sein.“
Saunders nennt ihn als den wahren Begründer des St. Christpher’s Hospice, dem ersten modernen Hospiz, das sie 20 Jahre später gründete.
Im Alter von 33 Jahren begann Cicely Saunders ein Medizinstudium, um sich der Behandlung Sterbende zu widmen. Damit gründete sie die Palliativmedizin (pallium = lat. Mantel) und die palliative Pflege mit dem hospizlichen Grundgedanken der Sorge um den ganzen Menschen und seiner Bedürfnisse. Damit brach sie als erste die Sprachlosigkeit und Handlungsohnmacht der traditionellen Medizin auf.
Nach Abschluss ihres Medizinstudiums erforschte sie Behandlungsmethoden für Menschen, denen nach herkömmlicher Überzeugung nicht mehr zu helfen war. Sie entwickelte einen Plan, nachdem Schmerzmittel nach Bedarf und kontinuierlich gegeben werden. Ihr Ansatz (Total Pain Management) ist frei übersetzt ‚Konstante Schmerzen erfordern konstante Kontrolle‘. Sie erreichte damit sowohl die dauerhafte Reduktion der körperlichen Schmerzen als auch eine Minimierung der mit den Schmerzen verbundenen psychischen Leiden. Dieser Ansatz revolutionierte die Medizin. Neben dem kurativen Auftrag zur Heilung stand jetzt der palliative Auftrag der ganzheitlichen Fürsorge und Behandlung.
Dieser Gedanke wurde zum Vermächtnis für sie und ihre Helfer. Bedingungslose Offenheit im Umgang nicht nur mit den Sterbenden und den Trauernden, sondern auch miteinander. Sie bedeuten das unablässige Bemühen, bestmögliche medizinische Versorgung in den Dienst einer ganz persönlichen Fürsorge zu stellen.
Der Gelsenkirchener Hospiz-Verein weiß sich besonders dem Gedanken von Cicely Saunders verpflichtet: „Du bist wichtig, weil du du bist und wir werden alles für dich tun, damit du nicht nur in Frieden sterben, sondern leben kannst bis zuletzt.“
Die Hospizidee heute
Angeregt durch die sich entwickelnde Hospizarbeit zeigen sich auch in Deutschland Fortschritte in der Versorgung sterbenskranker Menschen. Dazu gehört die Zunahme ambulanter und stationärer Dienste, Fortbildungsangebote der Palliativmedizin, Einführung einer Zusatzweiterbildung für Ärzte.
Eine wichtige Entscheidung war die Entscheidung der Krankenkassen, Hospizdienste, die bestimmte, festgelegte Kriterien erfüllen, finanziell zu fördern. Auch der Gelsenkirchener Hospiz-Verein wird seit 2002 gefördert.
In der Zeit von 2000-2005 wurden Modellprojekte der Krankenkassen, den Ärztekammern, den Wohlfahrtsverbänden und der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz zur flächendeckenden Umsetzung der ambulant palliativmedizinischen und palliativpflegerischen Versorgung in NRW durchgeführt, dem sich ein Vertrag und Rahmenprogramm anschlossen.
Auch in Gelsenkirchen führte diese Entwicklung zu Veränderungen der Versorgungslandschaft. Vertreter verschiedener Einrichtungen, die Wohlfahrtsverbände, Dienste, Ärzte, Apotheken, Palliativstationen, Pflegedienste und psychosoziale Beratungsstellen haben gemeinsam das Palliativ Netz Gelsenkirchen gegründet. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit soll unter anderem helfen, besondere Bedarfe in der Palliativversorgung abzudecken. Auch der Gelsenkirchener Hospiz-Verein ist ein Baustein im Palliativnetz Gelsenkirchen.
Leitlinie und Grundlage in der Palliativversorgung ist der übrigens schon 1977 von Cicely Saunders formulierten Behandlungsansatz:
- High-person low technology
- Ganzheitliche Behandlung
- Optimale Symptomkontrolle/Schmerztherapie (Total Pain Management)
- Aus-, Fort- und Weiterbildung
- Integration Ehrenamtlicher
Aus diesem Ansatz resultiert das Konzept eines gleichberechtigten, sich ergänzenden Handelns von medizinisch, psychosozial und spirituell tätigen Professionellen und qualifizierten Ehrenamtlichen. Die Bedeutung des Ehrenamtes hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Die Kompetenzen sind heute klarer definiert. Ehrenamtliche Kompetenz, als eine eigene Kompetenz durch bewusste, reflektierte Lebenserfahrung wird als besondere Stärke immer mehr anerkannt.