Jahresgedenken an der Himmelsleiter

Mittlerweile ist es Tradition. Anfang Dezember ist Jahresabschlussfeier. Im feierlichen Rahmen gedenken wir all den Menschen, die wir in diesem Jahr begleiten durften. Wir erinnern uns an jeden Einzelnen, an das Schmerzliche und das Schöne in den Begleitungen.

Dann ist auch Platz, der Verstorbenen zu gedenken, sie mit dem Namen und ihrer Geschichte vorzustellen, die zu den Freunden, Verwandten, zur Familie gehören, oder die uns wichtig sind. Das tun wir, mit einem feierlichen Ritual im persönlichen Gedenken. In diesem Jahr mit dem Motiv der Himmelsleiter.

Zur Erinnerung ein Blick ins Alte Testament, erstes Buch Mose (Genesis) (1.Mose 28,12-13) :

„Und ihm (Jakob) träumte, und siehe eine Leiter stand auf Erden. Die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott, das Land darauf du liegst will ich dir und deinen Nachkommen geben.“

Der biblische Jakob als Mittler steht mit seiner Leiter in der christlichen Theologie als Vorbote Christi, als Vermittler zwischen Mensch und Gott. Es ist nicht schwer, zu erkennen, dass die Himmels- oder Jakobsleiter auch ein Bild für den Übergang vom Leben in eine andere Welt ist. Ein Zeichen der Hoffnung, dass die Seele einen Weg zu Gott findet. Dieser Gedanke trägt dazu bei, in der Begleitung sterbender Menschen Vertrauen zu finden, dort wo wir keine Antworten wissen.

Die Himmelsleiter als ein Symbol finden wir in vielen Religionen. Für Christen und Juden ist es ein gleichermaßen vertrautes Bild, das eine eigene Symbolkraft hat.

Für die Ehrenamtlichen des Gelsenkirchener Hospiz-Vereins ist dieser Abend etwas Besonderes. Unser hospizliches Engagement wird mit unserer Himmelsleiter ganz persönlich erlebbar und die Freude beim anschließenden gemeinsamen Festessen strahlt auf jedem einzelnen aus. Dafür gilt unser aller Dank!

Das Jahresgedenken an der Himmelsleiter. Jeder Engel an der Leiter trägt den Namen eines Verstorbenen, dem wir gedenken. Foto: Ina de Cruppe
Die Himmelsleiter an der St. Lamberti Kirche in Münster. Foto: Ulrich Schneider

Beitrag von Ulrich Schneider

Infoabend zum Thema „Assistierter Suizid“

Die Referentinnen

Foto: Ulrich Schneider

In der ambulanten und stationären Begleitung werden wir auch mit dem Suizidwunsch der Patienten bzw. der Gäste konfrontiert. Angehörige, Pflegende und Ehrenamtliche sind meist stark verunsichert, wie sie damit umgehen sollen. Tötung auf Verlangen ist in Deutschland gesetzlich verboten. Seit 2015 gibt es gesetzliche Regelungen zum Assistierten Suizid, die aber zurzeit in der der Novellierung sind. Zu diesem Thema informierten die Vorstandsmitglieder des Hospizvereins Frau Dr. Jutta Schröder (Chefärztin der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin im Ev. Klinikum Gelsenkirchen) und Frau Dr. Silja Kreitz (Allgemein- und Palliativmedizinerin) am 25. September 2023 mit einem Referat.

Die Referentinnen informierten ausführlich zum aktuellen Stand der Entwicklungen in der Gesetzgebung, die eine klare Regelung für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte schaffen soll. Das Ergebnis ist noch offen. Eines jedoch ist klar, der assistierte Suizid ist keine Hauptaufgabe der Ärzteschaft. Es gibt auch kein Recht auf Suizidassistenz. Ebenfalls existiert noch keine Rahmenempfehlung für die Begleitung von Suizidwünschen im Hospiz- und Palliativbereich.

Früher war Suizid eine schwere Sünde, die mit Verdammnis belegt war, und ein Tabuthema in der Familie. Heute ist Suizid ein offenes Thema, mit dem allerdings nicht einfach umzugehen ist. Zunächst sind die Ursachen für den Suizidwunsch zu bedenken. Der Wunsch nach Erlösung aus großen Schmerzen und einem beschwerlichen Leben ist verständlich. Es muss aber auch differenziert diagnostiziert werden, ob eine psychische Erkrankung vorliegt, die unter Umständen behandelbar ist. Suizidprävention in Beratung und Psychotherapie bleibt ein unverzichtbarer Baustein zur Vermeidung und Aufarbeitung von Depressionen und Angststörungen, die als Ursache für Suizide angesehen werden können.

Spannend war der Erfahrungsaustausch mit den Ehrenamtlichen. In mehreren Beispielen wurde deutlich, wie schwierig und konfliktreich jeder einzelne Fall ist. Es geht ans „Eingemachte“ und führt in moralisch-ethische Entscheidungen, für die wir keine Vorlagen und Muster haben, die aber entschieden werden müssen. Die Erfahrungen mit früheren Begleitungen sind dabei immer präsent, fließen mit ein und müssen bedacht und verarbeitet werden.

Hilfreich waren die Empfehlungen der Referentinnen. Es geht immer darum, eine wertungsfreie Grundhaltung zu zeigen. Das heißt, der Suizidwunsch darf ausgesprochen werden und ist ohne Bedingungen anzunehmen. Mit viel Empathie gestaltetes Zuhören hilft, die Bedeutung des Wunsches zu verstehen und die Begleitung darauf auszurichten. Alle Mitarbeitenden sollen ihre Erfahrungen miteinander teilen. Das kann in der Supervision und in kollegialen Gesprächen oder auch mit der Seelsorgerin oder dem Seelsorger geschehen. Darüber hinaus gibt es Informationsmaterial bei der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Für uns alle einen Abend mit tiefgreifenden Erkenntnissen. Unser Dank gilt den beiden Referentinnen, die uns auf diese außergewöhnliche und spannende Themenreise mitgenommen haben.

Foto: Ulrich Schneider

Beitrag von Ulrich Schneider, Redaktionsgruppe

Kursabschluss mit Freude

Foto: Gelsenkirchener Hospiz-Verein e.V.

 

Am 6. Mai 2023 war es wieder soweit. Ein neuer Kurs geht mit Gratulationen und der Zertifikatsüberreichung zu Ende. 10 Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer haben sich seit Oktober 2022 auf die Begleitung Sterbender vorbereitet. Mit Interesse und großem Engagement haben sie in Theorie und Praxis gelernt, was sie nach dem Kurs anwenden wollen. Zu unserer Freude werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Begleitung gehen. Sie haben die Wahl, ob sie im Hospiz, im Altenheim oder in der häuslichen Umgebung eingesetzt werden wollen. Beim abschließenden Zusammensein wird Rückblick gehalten und es fällt die Äußerung: „Jetzt ist diese schöne Zeit schon wieder vorbei.“ und „Was machen wir jetzt gemeinsam?“ Aber das ist kein Problem. In der WhatsApp-Gruppe ist mächtig was los! Wir danken unseren Neuen für ihr Vertrauen, das sie in der Gruppe gelebt haben und die Lebensfreude, die dabei immer wieder „durchgeblitzt“ ist. Viel Erfolg im praktischen Einsatz!

Ina de Cruppe (Koorinatorin) und Ulrich Schneider

Lust auf Zukunft – Gelsenkirchener Hospiz-Verein ist Zukunftsprojekt bei dm-Drogeriemarkt

Für den Gelsenkirchener Hospiz-Verein ist es ein besonderes Anliegen, sich für die Lebensqualität von Menschen in der letzten Lebensphase zu engagieren. Es geht darum, den letzten Tagen mehr Leben zu geben und ihnen in den letzten Stunden beizustehen. Das ist ein Grundgedanke der Hospizarbeit. Wir wollen ihn mit unserer Arbeit weitertragen, damit das Sterben in Würde für alle Menschen, die es wünschen, in der Zukunft selbstverständlich möglich wird.

Foto: Elisabeth Zimmer

Wir sind für jede Unterstützung dankbar, denn diese ermöglicht es uns, dieses Zukunftsthema weiter zu verfolgen und uns für die Gemeinschaft zu engagieren. Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Jahr als eines der beiden Zukunftsprojekte Teil von „Lust auf Zukunft“ sind und uns der dm-Drogeriemarkt, Hochstraße 7 in Gelsenkirchen-Buer diese Plattform und Unterstützung bietet. „Für uns war das am 19. Mai eine tolle Gelegenheit, unsere konkrete Arbeit vorzustellen und für den Gelsenkirchener Hospiz-Verein zu werben.“ sagt Ewa Kotzan-Meiwes (Foto). Sie können uns aktiv unterstützen und uns ihre Stimme geben. Der Sieger erhält 600 € und der zweitplatzierte 400 €. Bis zum 31. Mai 2023 können Sie noch in der Filiale abstimmen. Nutzen Sie diese Gelegenheit. Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihr Engagement.